Raiffeisenstraße > Die Bürgermeisterei Flammersfeld > F.W. Raiffeisen in Flammersfeld

F.W. Raiffeisen in Flammersfeld

Brotmehlbeschaffung
Zu Beginn seiner Amtszeit in Flammersfeld bemerkt Bürgermeister Raiffeisen in den einzelnen Gemeinden die Nachwirkungen der schlechten Erntejahre 1846 und 1847.

Um eine Hungersnot zu vermeiden, besorgt er aus königlich-preußischen Militärmagazinen Brotmehl für Notleidende. Über die Zuteilung lässt er Buch führen und verlangt in den nachfolgenden Jahren konsequent die Bezahlung der zugeteilten Mengen. Sein Ziel ist es, die Einwohner zur höchsten Sparsamkeit und Selbstfürsorge zu erziehen (Subsidiaritätsprinzip).

Einführung des Bürgereinkaufsgeldes
Für die 33 Gemeinden der Bürgermeisterei Flammersfeld wendet Bürgermeister Raiffeisen eine Bestimmung der preußischen Gemeindeordnung vom 11.03.1850 an, die mit der Zahlung des "Gemeinde-Einkaufsgeldes" für Jung- und Neubürger auf Dauer eine gewisse soziale Absicherung gewährleistet:

Indem man sich durch Zahlung eines einmaligen Betrages (familiengerecht gestaffelt) in die Gemeinde "einkauft", erwerben sich die Familien das Recht auf Inanspruchnahme der Gemeindenutzungen: z. B. Bezug von Brand- und Bauholz, Gewinnung von Laubstreu aus den Gemeindewäldern, Gewinnung von Bruchsteinen für den Hausbau und Ähnliches.

Mit den Rechten auf Inanspruchnahme der Gemeindenutzungen waren die Pflichten zu Dienstleistungen zu Gunsten der Gemeinde verbunden, z. B. Hilfe bei Wegebauarbeiten, Arbeiten im Gemeindewald, Schneeräumen usw.

Sicherung der kommunalen Eigenständigkeit
Bürgermeister Raiffeisen sieht in der Beibehaltung der kommunalen Eigenständigkeit und Selbstverwaltung (statt kommunaler Zusammenschlüsse), welche die  neue preußische Gemeindeordnung zugesteht, einen großen erzieherischen Wert. Selbstverwaltung und Selbstbestimmung, auch in der kleinen Kommune, stärken nach seiner Ansicht den Einsatz des Einzelnen für das Gemeindewesen und das Selbstbewusstsein der Bürger. Er veranlasst die Gemeinderäte zu entsprechenden Beschlüssen. (Anmerkung: Von den z. Z. Raiffeisens vorhandenen 33 Gemeinden der Bürgermeisterei Flammersfeld haben sich 26 erhalten; 2 Gemeinden (Heckenhahn und Dasbach) gingen durch Gebietsreform 1969 an die Nachbar-Verbandsgemeinde Asbach.)

Schaffung eines Garantiefonds für den Flammersfelder Hülfsverein
Nach der Gründung des "Flammersfelder Hülfsverein" (1849) war Bürgermeister Raiffeisen bemüht, über die Solidarhaftung von 60 bessergestellten Landwirten hinaus für den Verein eine gesicherte wirtschaftliche Grundlage zu schaffen, damit dieser weiterhin seine Funktion der Hilfeleistung für in Not geratenen Landwirte ausüben konnte. Er veranlasste die Gemeinderäte zu Beschlüssen, einem "Garantiefond" beizutreten und dem Verein verzinsliche Beiträge leihweise zur Verfügung zu stellen oder für die vom Verein bei einem "rheinischen Bankier" geliehenen Gelder mit dem Gemeindevermögen zu haften. 

Anstellung von Waldwärtern
Zum Schutz der Gemeindewaldungen, die mancherorts neben der geringen Kommunalsteuer die einzige Geldquelle für die Kommunen darstellen, lässt Bürgermeister Raiffeisen "Waldwärter" anstellen und ausstatten. Ihre Kompetenz wird genau festgelegt (1848). 

Schaffung von Jagdbezirken
Bürgermeister Raiffeisen bemüht sich, für möglichst viele Gemeinden der Bürgermeisterei Flammersfeld eigene Jagdbezirke zu errichten, um die finanzielle Situation der Gemeinden zu verbessern.

Im Bereich des Raiffeisenmuseums in Flammersfeld wurde ein zu Raiffeisens Zeit typischer Bauerngarten angelegt.